Mit allen Sinnen.

Ich erinnere mich zurück an die Zeit vor meiner Mutterschaft.
Nein, nicht so sehr ans lange Ausschlafen am Wochenende (….obwohl….war schon schön.). Vielmehr an die Art Grundverbindung zur Welt um mich herum und wie ich mich dort eingerichtet hatte.

Ich bin hochsensibel.
Damals, als ich selbst von einer lieben Freundin darauf gestoßen wurde, änderte sich alles für mich. Mein Anderssein machte auf einmal Sinn und verschaffte mir Erleichterung in einer Welt, in der Andersartigkeit erstmal beäugt und im schlimmsten Fall „wegzudiskutiert“ wurde. Und das zu einer Zeit, wo Neurodivergenz gefühlt noch nicht so salonfähig war wie heute.

Hochsensibilität – so heißt die Gabe also, die mich die Welt intensiver wahrnehmen läßt. Die mich Stimmungen von Menschen im Raum, den ich betrat, sofort erfassen ließen. Die dazu führt, dass ich bei traurigen Filmen und emotionsreichen Darstellungen alle Gefühle in mir spürte, als wären sie meine eigenen. Die dazu führt, dass mir intensive Geräusche oder Gerüche, dass Kratzen des Waschzettels im Pullover oder generell manche Stoff auf der Haut manchmal unerträglich erscheinen.

Ein Gabe, die, wenn ein kritischer Punkt achtlos überschritten wird, zu Belastung wird. Die Erschöpfung nach sich ziehen kann. Unruhe, Wut als Zeichen von Überforderung.

Hatte ich vor der Mutterschaft eine Balance gefunden, um die Hochsensibilität als Geschenk zu leben und achtsam zu sein, wann ich den kritischen Punkt erreichte, geriet mein Nervensystem noch einmal in Aufruhr als unser Kind geboren wurde. Ich dürfte ab diesem Zeitpunkt nicht nur mich mit meinem hohen Empfindungslevel regulieren – sondern ebenso unser Kind.

Ja, auch ich bin als Mutter immer mal wieder erschöpft und renne ab und zu gedankenlos über meine eigenen Grenzen, werde wütend und ungerecht. Aber das ist ok. Die Hochsensibilität ist ein Teil in unserem Leben und wir schwingen uns immer wieder neu ein. Denn was am Ende wichtig ist, ist nur eins:

Das Bewusstsein darüber, was ist und was es mit uns macht. Dies ist der Ausgangspunkt für Veränderung. Bei allem.

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